Ratgeber · Stand: Oktober 2026
Die meisten Gelehrten beschreiben islamische Kleidung für Frauen über drei Merkmale: Sie bedeckt den Körper, ist weit geschnitten und blickdicht. Wie eine Muslima das umsetzt, ob mit Kopftuch, Abaya oder Alltagsmode, ist ihre persönliche Glaubensentscheidung.
- Als Grundlage der islamischen Kleiderordnung für Frauen gelten vor allem die Koranstellen 24:31 und 33:59.
- Nach der verbreiteten Mehrheitsauffassung gehört bei der Frau gegenüber nicht verwandten Männern alles außer Gesicht und Händen zur Awrah, also zum bedeckten Bereich.
- Zum Gesicht (Niqab) und zu den Füßen vertreten Gelehrte abweichende Positionen; nach der vorherrschenden Lehre der hanafitischen Rechtsschule, der auch Diyanet folgt, zählen die Füße nicht zur Awrah.
- Im Gebet bedeckt eine Frau den ganzen Körper bis auf Gesicht und Hände; viele nutzen dafür ein Gebetsset aus Abaya und Khimar.
- Hijab, Khimar, Jilbab, Abaya, Niqab, Burka und Tschador bezeichnen unterschiedliche Kleidungsstücke und sind keine Synonyme.
Was sagt der Islam über die Kleidung der Frau?
Der Koran legt Grundsätze fest, keinen Schnitt und keine Farbe. Als zentrale Stellen gelten Sure 24, Vers 31 und Sure 33, Vers 59. Dort geht es um das Bedecken des Körpers, um den Khimar über der Brust und um ein Übergewand für Frauen außer Haus.
Aus diesen Versen und aus der Überlieferung haben Gelehrte über Jahrhunderte Merkmale abgeleitet, die sich in fast allen Rechtsschulen wiederfinden. Wie streng einzelne Punkte ausgelegt werden, unterscheidet sich. Drei Kriterien nennen die meisten trotzdem übereinstimmend:
Die Kleidung bedeckt die Bereiche, die zur Awrah gehören. Was genau dazu zählt, erklärt der nächste Abschnitt.
Der Stoff liegt locker und zeichnet die Körperform nicht nach. Eng anliegende Leggings allein erfüllen das nach dieser Lesart nicht, unter einem langen Kleid schon.
Man sieht weder Haut noch Unterwäsche durch den Stoff. Bei dünnem Chiffon oder hellem Leinen hilft eine zweite Lage.
Viele Gelehrte ergänzen einen vierten Gedanken: Kleidung soll nicht darauf angelegt sein, Blicke auf sich zu ziehen. Daraus folgt aber kein Verbot von Farbe oder Mode. Eine Muslima in Köln kann eine mintgrüne Abaya tragen, eine andere in Istanbul einen gemusterten Mantel, und beide berufen sich auf dieselben Verse.
Was gehört bei der Frau zur Awrah?
Die Awrah ist der Bereich des Körpers, der nach islamischem Verständnis vor bestimmten Personen bedeckt wird. Nach der verbreiteten Mehrheitsauffassung gehört bei der Frau gegenüber nicht verwandten Männern alles außer Gesicht und Händen dazu.
„Nicht verwandt" meint hier Männer, die nicht zu den Mahram zählen. Mahram sind enge Angehörige, die eine Frau nach islamischem Recht nicht heiraten darf, etwa Vater, Bruder, Sohn oder Onkel. Vor ihnen und vor anderen Frauen gelten weniger strenge Regeln. Wie weit diese Lockerung reicht, beantworten die Rechtsschulen unterschiedlich.
Wo gehen die Meinungen auseinander?
Beim Gesicht: Ein Teil der Gelehrten hält es für verpflichtend oder empfehlenswert, auch das Gesicht zu bedecken. Frauen, die dieser Auffassung folgen, tragen einen Niqab. Die Mehrheit sieht das Gesicht als frei an.
Bei den Füßen: Nach der vorherrschenden Lehre der hanafitischen Rechtsschule, der auch Diyanet folgt, zählen die Füße nicht zur Awrah. Andere Rechtsschulen rechnen sie dazu, weshalb viele Frauen lange Röcke oder Socken tragen.
Diese Unterschiede sind kein Zeichen von Beliebigkeit. Sie zeigen, dass die islamische Rechtstradition seit jeher mehrere begründete Positionen kennt, zwischen denen Gläubige wählen.
Gebetskleidung für Frauen: Was ist beim Gebet wichtig?
Im Gebet bedeckt eine Frau ihren ganzen Körper bis auf Gesicht und Hände, auch die Haare. Zu den Füßen gibt es wie im Alltag unterschiedliche Ansichten; wer sie bedecken möchte, trägt Socken oder ein bodenlanges Kleidungsstück.
Diese Regel gilt auch dann, wenn eine Frau allein zu Hause betet. Der Stoff sollte blickdicht sein, denn ein durchscheinendes Tuch bedeckt nach Auffassung der Gelehrten nicht. Für die Gebetskleidung zählen deshalb vier Punkte:
- Haare und Hals bedeckt: Ein Khimar, der über Schultern und Brust fällt, verrutscht beim Niederwerfen (Sudschud) weniger als ein kurzes Tuch.
- Ärmel bis zum Handgelenk: Beim Heben der Hände rutschen weite, lange Ärmel nicht hoch.
- Länge bis zum Knöchel: Beim Sitzen und Aufstehen bleiben die Beine bedeckt.
- Blickdichter Stoff: Musselin oder Jersey statt dünnem Chiffon ohne Unterlage.
Im Alltag tragen viele Frauen Jeans, Bluse oder Bürokleidung, die sich zum Beten nicht eignet. Deshalb hat sich das Gebetskleid für Damen als eigenes Stück durchgesetzt: eine weite Abaya mit Khimar, die man in wenigen Sekunden über die Kleidung zieht. Die Musselin-Abaya mit Khimar ist so ein Set, leicht genug für die Handtasche. Wer lieber zwei Teile trägt, nimmt einen Zweiteiler aus Oberteil und Rock, etwa den Abayah Zweiteiler, und kombiniert ihn mit einem passenden Hijab.
Was ist der Unterschied zwischen Hijab, Khimar, Jilbab und Abaya?
Hijab heißt wörtlich „Vorhang" oder „Bedeckung" und meint im Deutschen meist das Kopftuch. Khimar, Jilbab und Abaya sind konkrete Kleidungsstücke, Niqab, Burka und Tschador regionale Formen, die auch das Gesicht oder den ganzen Körper umhüllen.
| Begriff | Was es ist | Wo verbreitet |
|---|---|---|
| Hijab | Kopftuch, das Haare, Ohren und Hals bedeckt; im weiteren Sinn die gesamte bedeckende Kleidung | Weltweit, auch in Deutschland |
| Khimar | Langes Kopftuch oder Überwurf, der über Kopf, Schultern und Brust fällt; das Gesicht bleibt frei | Weltweit, oft als Gebetskleidung |
| Jilbab | Weites Übergewand; heute oft ein langes Kleid aus einem Stück, teils mit angesetzter Kopfbedeckung | Arabische Länder, Südostasien, Europa |
| Abaya (Abayah) | Langes, weites Überkleid mit Ärmeln, offen oder geschlossen, klassisch schwarz, heute in vielen Farben | Golfstaaten, weltweit in der Modest Fashion |
| Niqab | Gesichtsschleier, der die Augen frei lässt; wird zusammen mit Kopftuch und weitem Gewand getragen | Golfstaaten, vereinzelt in Europa |
| Burka | Ganzkörperumhang mit einem Stoffgitter vor den Augen | Vor allem Afghanistan |
| Tschador | Großes, halbrundes Tuch, das um Kopf und Körper gelegt und vorne mit der Hand zusammengehalten wird | Vor allem Iran |
In Deutschland siehst du im Alltag vor allem Hijab, Khimar und Abaya. Eine Auswahl an Tüchern in Jersey und Chiffon findest du unter Hijabs, lange Überkleider unter Abayas.
Wie kleidet sich eine Muslima im Alltag in Deutschland?
Im Alltag kombinieren die meisten muslimischen Frauen in Deutschland gewöhnliche Mode so, dass sie lang, weit und blickdicht bleibt. Eine Abaya ist eine Möglichkeit, eine lange Bluse mit weiter Hose oder ein Maxirock mit Strickjacke sind andere.
Beruf
Im Büro wirken gedeckte Farben und klare Schnitte: eine schlichte Abaya, ein langer Blazer über einem Maxikleid oder eine weite Stoffhose mit Tunika. Ein Hijab aus Jersey sitzt fest und muss tagsüber kaum nachgesteckt werden. In Pflege oder Labor mit Schutzkleidung binden viele Frauen ein kürzeres Tuch. Es liegt eng am Hals an und hängt nicht in die Arbeit.
Sport
Für Sport eignen sich ein Sport-Hijab aus Funktionsstoff, eine weite Trainingshose und ein langes Shirt, das über die Hüfte reicht. Zum Schwimmen gibt es den Burkini, einen Badeanzug mit langen Ärmeln, langer Hose und angesetzter Haube.
Sommer
An heißen Tagen helfen luftige, helle Stoffe wie Musselin oder Leinen, dazu ein weiter Schnitt, unter dem Luft zirkuliert. Viele Frauen tragen im Sommer eine einzige weite Lage statt Kleid plus Strickjacke. Wird der Stoff dabei leicht durchscheinend, kommt ein dünnes Unterkleid darunter.
Winter
Im Winter funktioniert Layering: Abaya oder Maxikleid als Basis, darüber ein langer Cardigan, für draußen ein Mantel, der bis unter das Knie reicht. Ein Jersey-Hijab unter dem Schal hält warm, ohne zu verrutschen. Passende Stücke wie Maxiröcke und Trägerkleider findest du unter Kleider & Röcke.
Welcher Stoff eignet sich für Abaya und Hijab?
Für den Alltag sind Musselin, Jersey und Crinkle die unkompliziertesten Stoffe, für Feiern Satin und Chiffon. Welcher passt, hängt vor allem davon ab, wie blickdicht und wie pflegeleicht er sein soll.
| Stoff | Eigenschaft | Gut für |
|---|---|---|
| Musselin | Leicht und luftig, fällt weich | Sommer, Gebetskleidung |
| Chiffon | Fein und fließend, oft leicht durchscheinend; braucht meist ein Unterkleid oder Untertuch | Eid, Nikah, festliche Anlässe |
| Jersey | Dehnbar, griffig, rutscht weniger | Hijab für Alltag, Beruf und Sport |
| Crinkle | Gewollte Knitterstruktur, neue Falten fallen nicht auf | Reise, lange Tage, Handtasche |
| Satin | Glänzende Oberfläche, fließender Fall | Feiern, Abendanlässe |
Ein Hijab aus Chiffon sieht elegant aus, braucht aber oft ein Untertuch, damit er hält und nicht durchscheint. Jersey verzeiht mehr und ist für Anfängerinnen der leichtere Einstieg.
Wer entscheidet, was eine Muslima trägt?
Das entscheidet jede Frau selbst. Kleidung im Islam ist eine persönliche Glaubensentscheidung, die aus Überzeugung getroffen wird, nicht auf Druck von Familie, Partner oder Gesellschaft.
Die große Mehrheit der klassischen Gelehrten hält das Bedecken der Haare für eine religiöse Pflicht. Einige zeitgenössische Theologinnen und Theologen lesen die Verse anders. In Deutschland trägt ein Teil der muslimischen Frauen Kopftuch, ein anderer Teil nicht, und manche beginnen damit erst nach Jahren. Wer für sich eine verbindliche Antwort sucht, fragt am besten den Imam oder eine Gelehrte der eigenen Gemeinde.
Molora aus Wesseling bei Köln führt Abayas, Kleider, Röcke und Hijabs für Frauen, die sich bedeckt kleiden möchten. Einen Überblick über alle Stücke bekommst du in der Kollektion Damenmode.
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Jersey-Hijab19,99 €
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Häufige Fragen
Muss eine Muslima immer eine Abaya tragen?
Nein. Die Abaya ist eine verbreitete Form, aber keine Vorschrift. Entscheidend sind nach Auffassung der meisten Gelehrten die Merkmale bedeckend, weit und blickdicht, und die erfüllt auch eine lange Bluse mit weiter Hose.
Darf man als Muslima Jeans tragen?
Viele Musliminnen tragen Jeans, meist in weitem Schnitt und mit einem langen Oberteil, das über die Hüfte reicht. Eng anliegende Hosen ohne lange Lage darüber sehen viele Gelehrte kritisch, weil sie die Körperform nachzeichnen.
Muss man zu Hause beim Beten ein Kopftuch tragen?
Ja, nach Auffassung der Gelehrten bedeckt eine Frau im Gebet auch zu Hause und allein ihre Haare und ihren Körper bis auf Gesicht und Hände. Ein Gebetsset, das man über die Hauskleidung zieht, macht das unkompliziert.
Sind die Füße beim Gebet der Frau Awrah?
Darüber sind sich die Gelehrten nicht einig. Nach der vorherrschenden Lehre der hanafitischen Rechtsschule, der auch Diyanet folgt, gehören die Füße nicht zur Awrah, andere Rechtsschulen rechnen sie dazu. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, trägt Socken oder ein bodenlanges Kleid.
Was ist der Unterschied zwischen Hijab und Khimar?
Hijab bezeichnet im Deutschen meist das Kopftuch, das Haare, Ohren und Hals bedeckt. Der Khimar ist länger und fällt zusätzlich über Schultern und Brust; er wird deshalb gern als Gebetskleidung genutzt.
Welcher Hijab-Stoff rutscht am wenigsten?
Jersey rutscht am wenigsten, weil der Stoff dehnbar und griffig ist. Chiffon und Satin sind glatter und halten oft nur mit einem Untertuch oder Nadeln.
Ab welchem Alter tragen Mädchen Kopftuch?
Als religiöse Pflicht gilt das Bedecken nach klassischer Auffassung ab der Pubertät. Viele Mädchen probieren es früher aus, andere beginnen später; am besten wächst die Entscheidung aus eigener Überzeugung.
Was ziehe ich als Muslima im Sommer an, ohne zu schwitzen?
Leichte, helle Stoffe wie Musselin oder Leinen in weitem Schnitt halten am kühlsten. Statt mehrerer Lagen reicht im Sommer oft eine einzige weite Schicht, bei Bedarf mit einem dünnen Unterkleid.